Ist es okay, nicht zu wissen, was ich will?

In meinem Leben wusste ich bisher immer, wohin ich will und was ich tun will. Manches davon habe ich straight durchgezogen, manches auch wieder aufgehört. Aber ich war mir immer klar darüber, dass ich es machen möchte – bis ich eben gemerkt habe, dass es doch nicht richtig war. Was meiner Meinung nach vollkommen okay ist. Doch jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich gar nichts weiß. An dem ich an einer Kreuzung mit vielen Wegen stehe und einfach nicht weiß, welche Richtung die richtige oder zumindest die ist, die ich ausprobieren möchte.

Das ist neu für mich. Und ich denke, es ist eine Art Probe. Immer mal wieder was Neues, denkt sich mein Leben. Du möchtest nicht verstehen, dass du bei Entscheidungen nicht immer nur auf deinen Verstand hören solltest, sondern durchaus auch auf dein Bauchgefühl hören darfst? Na, dann lernst du es jetzt eben so, denkt sich mein Leben. Du bist gerne in deiner Komfortzone und wagst aus Angst und Bequemlichkeit nichts Neues? Na, dann schubsen wir dich mal ein bisschen und schicken dir Unzufriedenheit, die dich zum Handeln zwingt, denkt sich mein Leben. Okay, okay.

Die ewige Suche

Es fühlt sich an wie eine ewige Suche – oder, optimistisch ausgedrückt, ein ewiger Findungsprozess. Vom Suchen und irgendwie nicht Finden könnte der Titel für meine aktuelle Lebensphase lauten. Aber ist das so schlimm? Ist es so schlimm, dass ich suche und nicht finde? Dass ich nicht weiß, was ich will?

Für mich aktuell ja, ein bisschen. Weil ich das Gefühl nicht mag, in der Luft zu hängen. Zu schweben. Oder zu schwimmen. Jedenfalls ohne festen Boden unter den Füßen zu sein. Denn dieser Boden bedeutet Sicherheit, nach der wir uns alle sehnen – die einen ausgeprägter als die anderen. An dieser Stelle kommen wieder einmal Verstand und Bauch und Herz zusammen. Der Verstand erzählt mir, was von mir erwartet wird und vernünftig und wichtig ist – nämlich zu finden und anzukommen. Und meine Gefühle erzählen mir, dass es unbequem für mich ist, von keinem Boden getragen zu werden, sondern verloren in der Luft zu hängen – und formulieren damit ebenfalls den Wunsch, zu finden. Na, wenigstens sind die sich ausnahmsweise mal einig.

Weil die Unzufriedenheit also akut ist, versuche ich, weiterzukommen im Prozess.

Es reicht nicht

Aber ich merke schnell, dass es nicht mehr reicht und schlichtweg auch nicht weiterhilft, nur da zu sitzen und stur darüber nachzudenken. So trete ich auf der Stelle. Ich erkenne, dass vermutlich das hilft, was ich nicht besonders gut kann: darauf vertrauen, dass sich eine Lösung zeigen wird. Wenn ich merke, dass ich unzufrieden bin oder etwas nicht passt, will ich sofort handeln und eine Lösung finden. Dann stürze ich mich rein und grabe und wühle und erzwinge. Ich google, schreibe, überlege, frage. Und klar, das bringt mich hin und wieder auch weiter. Aber jetzt nicht. Da ist es wieder, mein Leben, das mich daran erinnert, was ich noch lernen darf. Das mit dem Vertrauen und mal Loslassen und weniger Forcieren.

So ganz verstehe ich es jedoch noch nicht. Ganz ohne aktiv zu werden, bewege ich mich ja ebenso wenig vom Fleck. Ich muss doch etwas tun, um weiterzukommen. Oder ist das nur mein begrenztes Denken? Und wie sieht denn die richtige Balance zwischen Tun und Vertrauen aus?

Das mit dem bauchgefühl

Und was noch helfen könnte, wäre, mehr zu fühlen anstatt zu denken. Merkst du auch manchmal, dass du an deine gedanklichen Grenzen stößt? Dass sich deine Gedanken einfach nur wiederholen? Ich glaube, an solchen Punkten ist es nützlich, sich darüber bewusst zu werden, dass da auch noch eine andere Ebene ist, auf der Antworten gefunden werden können. Die Gefühlsebene. Bei wem alleine das Wort Gefühlsebene nun schon Unbehagen auslöst: Hattest du noch nie Besuch von den berühmt-berüchtigten Schmetterlingen in deinem Bauch? Hast du noch nie dein Herz wie wild klopfen gespürt, wenn du dich riesig auf etwas gefreut hast? Das sind dein Bauch und dein Herz, die dir da zustimmen. Die dir zeigen, dass etwas richtig für dich ist – oder zumindest starke Emotionen in dir auslöst.

Es ist nicht üblich, Bauch und Herz als erste Instanz bei Entscheidungen zu befragen. Und es ist schon gar nicht üblich, Gefühle als überzeugende Argumente zu nennen. Außer in einer Beziehung, die auf Liebe basiert. Aber in Bereichen wie Beruf, Hobby, Sofakauf oder Essen ziehen wir doch eher rationale Argumente zu rate. Und manchmal sogar bei der Wahl des Partners, der Partnerin. So sind wir sozialisiert. Das ist der eine Grund, warum es uns so schwerfällt, unsere Gefühle ernsthaft zu berücksichtigen. Der andere ist, dass wir manchmal gar nicht wissen, was wir fühlen. Weil wir den Zugang zu unserer Gefühlswelt komplett verloren haben. Den wieder zu finden, ist gar nicht so einfach. Doch bei mir war er zum Glück nie verloren.

Bisschen beine baumeln lassen

Was ich jetzt also mache? Vielleicht zur Abwechslung mal nichts. Viele Fragen sind nach wie vor offen und unbeantwortet. Aber ich möchte lernen, das auszuhalten. Ja, mein Leben, ich höre dich und deine Aufgaben für mich. Und vielleicht nehme ich dich jetzt zur Abwechslung mal ernst. Du zwingst mich früher oder später ohnehin dazu. Ein bisschen in der Luft hängen und Beine baumeln lassen? Klingt eigentlich gar nicht so verkehrt. Und während ich da so hänge, hätte ich ja Zeit, um meinem Bauch mal zuzuhören.

Und an alle, denen es im Moment ähnlich geht: Ich glaube, wir dürfen uns alle ein bisschen davon lösen, wie die Duracell Hasen auf festem Boden herumzuspringen und dabei vollkommen verstandgesteuert Richtungen einzuschlagen. Wenn auch du diese innere Unzufriedenheit wahrnimmst und auch beim Herumspringen keine Lösungen findest – vielleicht ist es dann auch für dich an der Zeit, mal abzubremsen und nachzuspüren? Was sagt dein Bauch, was dein Herz, wenn alles möglich wäre? Und ein bisschen Vertrauen hat auch noch niemandem geschadet. Denn entgegen der Angst, dass dann ja erst recht alles den Bach runterginge, bringt Vertrauen nicht selten vollkommen neue Möglichkeiten mit sich.

Sagte sie und plante bereits die nächsten Schritte auf ihrer Suche. Naja, der Wille ist da. Und etwas Neues zu lernen dauert eben seine Zeit.

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