Traumwelten, die Geschichten im Konjunktiv erzählen

Ich habe von dir geträumt. Dass wir uns bei mir zum Quatschen getroffen haben, irgendwann dann vom Küchentisch ins Bett übergegangen sind, weil bequemer, und uns daraufhin beinahe unvermeidlich näher gekommen sind. Und irgendwie sind wir dann wieder zusammengekommen. Viel mehr weiß ich nicht mehr. Nur, dass ich mir heute Morgen noch eine ganze Weile nach dem Aufwachen nicht sicher war, ob das nun wirklich so passiert ist oder nicht. Beinahe hätte ich dir im Halbschlaf geschrieben.

Zum Glück ist mein Verstand doch noch rechtzeitig aufgewacht und ich habe verstanden, dass diese Geschichte meiner Fantasie entsprungen sein muss. Eine weitere Geschichte meiner Fantasie. Eine weitere Geschichte im Konjunktiv. Im Traum wie Wirklichkeit, doch in der Wirklichkeit nur ein Traum.

Dabei haben eigentlich ja Kinder den Konjunktiv für sich gepachtet. Mit Sätzen wie „Und dann wäre ich halt die Mutter und du wärst mein Kind und ich hätte dich gefüttert, okay?“ bringen sie den Mitspielenden näher, welche Ideen ihnen gerade im Kopf herumschwirren. So kommunizieren sie ihre Fantasie. Auch ich scheine diese Methode weiterhin zu nutzen und diese Dialoge nach wie vor zu führen, aber eben in meinem Kopf. Mit mir selbst. In meinen Träumen.

Altes und Neues wird verknüpft

Träume bieten einen wundervollen Raum für unsere Fantasie und all das, was unser Unterbewusstsein verarbeiten möchte. Vor kurzem las ich in einer Recherche für einen Text, dass wir in der REM-Schlafphase am bildreichsten und kreativsten träumen. Und wenn wir direkt aus dieser Schlafphase erwachen, können wir uns auch am besten an den Traum erinnern. So muss es heute Morgen gewesen sein – ich konnte mich erinnern, es mir aber leider nur bruchstückhaft merken. Warum wir überhaupt träumen, wollte ich natürlich auch wissen. Da gibt es verschiedene Meinungen, doch worin sich alle einig sind, ist, dass wir tagsüber Erlebtes verarbeiten und mit „alten“ Informationen kombinieren, um das Wissen in zukünftigen Situationen anwenden zu können.

Was sagt mir das nun über den Traum heute Nacht? Ich habe gestern einen Blogartikel bei follow your feelings über eine Dating-Geschichte gelesen. Die Szene, in der die Autorin und der Mann ihr gegenüber ihre Gespräche ins Bett verlegten, scheint mir besonders im Gedächtnis geblieben zu sein. Diese neue Information scheine ich mit den Erinnerungen an unsere Beziehung verknüpft zu haben. Und schwups – ist daraus ein Traum und damit eine neue Geschichte entstanden. Was mir das für die Zukunft bringt, weiß ich allerdings nicht.

Du & Ich

Die einzige Auswirkung, die ich im Moment erkenne, ist, dass es mich offensichtlich den ganzen Tag beschäftigt. So sehr, dass ich darüber schreibe. Das ist zwar schön für meinen Blog, für meine Produktivität jedoch eher weniger förderlich. Aber gut, dann hänge ich meinem nächtlichen Traum eben auch noch ein bisschen in meinen Tagträumen nach.

Wir beide. Vor über drei Jahren war Schluss. Schluss mit unserer Beziehung, die nicht einmal zwei Jahre hielt. Mit unserer Intimität und Nähe auf einer anderen Ebene. Mit den Reisen und spontanen Ausflügen. Mit den nicht beantworteten Nachrichten und tiefgehenden Gesprächen. Mit dem Verständnis füreinander und den Struggles, die uns beide sehr belasteten. Dieses Ende bescherte mir den heftigsten Schmerz in meinem bisherigen Leben. Und das weißt du auch. Auch du hast heute noch daran zu knabbern und machst dir selbst Vorwürfe. Wir beide tragen ein Päckchen mit unseren Namen darauf mit uns herum. Das weiß ich, weil wir nach wie vor Kontakt haben, uns austauschen, manchmal auch sehr ehrlich und emotional, und uns unregelmäßig sehen.

Ein seltsam sicheres gefühl

Ist das der Grund, warum ich immer noch ab und zu von dir träume? Auch du träumst von mir, wie du sagst. Was genau, weiß ich nicht. Träume nur ich davon, dass wir wieder zusammenkommen? Ist es das, was sich mein Unterbewusstsein wünscht, was ich mir wünsche? Oder ist es viel eher ein Hinweis darauf, dass ich mich immer noch im Prozess finde, loszulassen, und noch aktiver daran arbeiten darf? Ich habe schon vor längerem aufgehört, meine Träume von dir unnötig intensiv zu interpretieren, weil ich weiß, dass sie zum Prozess dazugehören. Und trotzdem hänge ich manchen hinterher und frage mich, welche Erkenntnis sie beinhalten könnten.

Aus dem Traum von heute Nacht kann ich keine Erkenntnis herausziehen. Ich weiß, wie er vermutlich entstanden ist, aber nicht, was er mir sagen möchte. Und im Grunde ist es auch gar nicht so wichtig. Weißt du, warum? Weil ich irgendwo in mir dieses Gefühl spüre, dass wir uns irgendwann noch einmal begegnen werden. Und mit begegnen meine ich nicht, dass wir uns auf der Straße treffen, sondern, dass wir zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort auf zufällige (oder auch nicht zufällige) Weise zueinanderfinden. Bedeutet das, dass wir noch einmal zusammenkommen? Keine Ahnung. Ist das letztendlich nichts anderes als ein aus naiver Hoffnung heraus entstandenes, gut getarntes Festhalten? Vielleicht. Aber dieses Gefühl ist so seltsam sicher und einfach da. Es ist nicht besonders aufdringlich und weder positiv noch negativ. Es ist einfach da.

traum oder wirklichkeit

Manche Träume sind verrückt und seltsam, andere traurig oder grausam, dass man so schnell wie möglich aufwachen möchte, und wieder andere sind so schön, dass man überhaupt gar nicht aufwachen möchte. Viele Träume erzählen Geschichten im Konjunktiv, manche tatsächlich passierte Geschehnisse. Und eines haben sie alle gemeinsam: Sie machen sich in dem Raum breit, den unser Unterbewusstsein während unseres Schlafes zur Verfügung bekommt. Diesen ganz besonderen Raum, diese Traumwelten, durch die wir uns nur im Schlaf bewegen können. Reine Magie! Egal, wie oft ich auch noch von dir träumen werde und wie oft wir uns dabei noch trennen oder wir wieder zusammenkommen werden – ich bin dankbar für die Fantasiewelt, die ich nachts betreten darf. Und wer weiß, vielleicht vermischen sich irgendwann Fantasie und Wirklichkeit, verwandeln Konjunktiv in Indikativ und wir finden wieder zusammen. Oder eben nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s